Gespräche in der Bellevue-Bar ergaben folgendes: Hansjörg Walter, SVP und Bauernverbandspräsident, wird als Sprengkandidat gehandelt. «Maurer oder Walter», tönte es praktisch einstimmig in einvernehmlichen Gesprächen während der «Nacht der langen Messer» im Szenetreff von Bundesbern.Am späten Abend, kurz vor 24 Uhr, zückten die ersten Parteichefs ihre Notizblöcke und begannen, mögliche Stimmen auszuzählen. SP und Grüne halten Walter für wählbar. Bei der CVP-Fraktion haben gestern Nachmittag 22 Fraktionsmitglieder gegen Ueli Maurer gestimmt, 3 haben sich enthalten. Ergibt 25 mögliche Stimmen für Walter. Bei der FDP bröckelt es; laut informierten Kreisen sind 13, wenn nicht 20 Stimmen aus den Reihen der Freisinnigen für Walter denkbar.
Morgen vor der Bundesratswahl ab 8 Uhr finden die einzelnen Fraktionssitzungen statt. Dann wird ein letztes Mal über Taktik und mögliche Namen bestimmt.
Walter ins Spiel gebracht hat bereits der «Sonntag». Wie die informierten Kreise weiter berichten, hat sich die SVP-Fraktion im Bellevue um ca. 22 Uhr in ein Sitzungszimmer zurückgezogen und ist kurz vor 24 Uhr wieder von dannen gezogen. Vorneweg Walter und Maurer, dann Christoph Blocher, dann die Nationalräte Jasmin Hutter, Toni Brunner und Caspar Baader, dann die Übrigen. Brunner sei in sehr gereizter Stimmung gewesen, wie die Informanten sagen, was Schlüsse darauf zulasse, dass Walter selbst angesichts eines Parteiausschlusses die Wahl zum Bundesrat annehmen könnte.
Wie es seitens Parlamentarier heisst, wären die Konsequenzen einer Wahl Walters selbst für die SVP schwierig. Walter als Stamm-SVPler sei fest verankert und habe die Bauern hinter sich. Sollte er tatsächlich aus der Partei ausgeschlossen werden, könnte allenfalls eine neue Bauernpartei entstehen, wie Insider weiter vermuten.
Definitiv wird es erst morgen, wenn um 8 Uhr Nationalratspräsidentin Chiara Simoneschi (CVP) die Glocke läutet und den ersten Wahlgang von möglichen drei für die Wahl des Nachfolgers von Bundesrat Samuel Schmid startet.
Maurers Chancen sind übrigens nach wie vor intakt, wie es aus den Kreisen weiter heisst. Kaum eine Partei (ausser den Grünen) spricht der SVP das Anrecht auf einen Sitz im Bundesrat ab.

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