Mittwoch, 10. Dezember 2008

Nach der Wahl

Tonbild-Feature: 
Reaktionen von Sprengkandidat Hansjörg Walter und SVP-Fraktionschef Caspar Baader.


Copyright Andreas Schwald / Bilder Keystone

Sprengkandidat Hansjörg Walter (SVP, TG)
ist froh, dass er nicht gewählt worden ist. «Ich hätte wohl schweren Herzens nein sagen müssen.» Er sagt, dass er den Entscheid auf Nichtannahme aus freien Stücken getroffen habe, obwohl die Ausschlussklausel in den SVP-Statuten seinen Entscheid beeinflusst habe. «Aber ich habe auch eine Familie und einen Hof, ich bauere gerne und deshalb stand mein Entscheid fest», sagt Walter. Natürlich wäre es alles andere als einfach gewesen, da nach vorne zu gehen und Nichtannahme zu erklären: «Ich bin ein engagierter Politiker und da ist das Amt des Bundesrates natürlich schon ein erstrebenswertes Ziel.»

SVP-Fraktionschef Caspar Baader aus Gelterkinden
ist nach eigenen Angaben sicher gewesen, dass Walter bei einer Wahl die Nichtannahme erklären würde. Dass Ueli Maurer jetzt Bundesrat ist, freut Baader umso mehr. Mit einem der besten sei man jetzt wieder im Bundesrat vertreten, «ich hoffe, dass die Entscheide des Bundesrats nun öfter auf die bürgerliche Seite fallen.»
Für die SVP ist damit die Konkordanz quasi zur Hälfte wieder hergestellt. Als wählerstärkste Partei habe man immer noch Anspruch auf den zweiten Sitz, so Baader. Den werde man spätestens 2011 geltend machen.

SP-Nationalrat Eric Nussbaumer aus Frenkendorf
findet, dass die SVP den Sitz zugute hat. «Wir haben uns aber auf einen Kandidaten geeignet, der besser zu uns gepasst hat.» Ob Walter ausgeschlossen worden wäre, bleibe ja nun offen.
Maurer hingegen habe polarisiert und Werte vertreten, welche die SP diesem Lande nicht unbedingt als würdig erachte. «Nun muss Maurer beweisen, dass er die Kollegialität hochhält. Er soll Bundesrat sein, kein Parteisoldat.»

CVP-Nationalrätin Kathrin Amacker aus Binningen
hat während der Wahl für Maurer gestimmt. Die CVP habe Bedingungen formuliert – wie etwa das Zweierticket – und die SVP sei diesen nachgekommen. Ausschlaggebend sei für sie Maurers Verhalten während des Hearings am Vortag gewesen. Und da habe er ihr einen guten Eindruck hinterlassen.

Maya Graf, Grüne Nationalrätin aus Sissach
ist enttäuscht. «Wir hätten uns einen anderen Bundesrat gewünscht.» Walter sei eine Alternative gewesen, die breite Akzeptanz gefunden hätte. 
Das Resultat zeige nun, dass es im Parlament zwei gleich grosse Lager gebe, die sich gegenüberstünden. «Jetzt hat die andere Seite gewonnen», so Graf. Der Entscheid, der zwei letzten Parlamentarier, ihre definitive Stimme Maurer zu geben, sei staatstragend.
«Maurer bleibt Maurer», findet Graf. «Wir hoffen nun, dass er seinen parteipolitischen Hut besser zur Seite legen kann, als Blocher.»

Porträt von Ueli Maurer (Schweizer Fernsehen, SF)


Copyright Schweizer Fernsehen, www.sf.tv

Keine Kommentare: